ERP in der Cloud? Sinnvoll oder nicht?

Laut der „Euro am Sonntag“ und einem Medienbericht von Microsoft wollen die Redmonder im kommenden Jahr MS Dynamics NAV in der Cloud anbieten. Damit gehen sie also ins Rennen gegen „Business ByDesign“ von SAP, welches laut Co-CEO Jim Hagemann Snabe mittlerweile über 700 Kunden nutzen.

Trotz oder gerade wegen einer prognostizierten Konjunkturabkühlung erwartet Park auch im kommenden Jahr keinen Einbruch im Geschäft mit ERP-Systemen: „Die Kunden werden etwas vorsichtiger, aber sie müssen investieren“, sagte Park der „Euro am Sonntag“. Viele Unternehmen hätten über drei, vier Jahre ihre Software vernachlässigt. Nun gebe es einen Investitionsstau.

Diesen Investitionsstau über die Anschaffung eines ERP Systems zu lösen ist natürlich der richtige Weg, stellt sich nur die Frage, ob es denn ein Cloudbasiertes System sein muss. Gerade im Bereich ERP sollte man sich dreimal überlegen, ob es wirklich gut ist, seine Daten auf Server zu legen, die irgendwo in der Welt stehen. „Private Clouds“, also Systeme, die man wie eine Cloud führt, aber selber hostet und somit unter seiner eigenen Kontrolle hat empfinde ich da als Sinnvoller.

Es bleibt also abzuwarten wie der Markt weiter auf diese Angebote der beiden großen Anbieter reagiert. Es vollzieht sich nun mal ein Generationenwechsel in den Geschäftsführeretagen und die „neuen Chefs“ sind mit anderen Vorzeichen ins Berufsleben gestartet. Die Angst vorm großen Internet und damit vor der großen dunklen Wolke ist nicht mehr so hoch, die Hemmschwelle seine Daten in die Hände Dritter zugeben wird immer niedriger.

Ich selber bin auch mit dem Netz im Berufsleben aufgewachsen, aber vielleicht gerade darum wäre ich sehr vorsichtig. Cloudservices können sicherlich sehr sinnvolle Angebote beinhalten, Datensicherung verschlüsselter Backups zum Beispiel oder nicht Unternehmenskritische Datenvolumen wie die Fotos des letzten Messeauftritts, die Produktbroschüren oder anderen Daten, die eh für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber ERP Daten? Die Seele, das Herz und das Gedächtnis des Geschäfts einfach so anderen anzuvertrauen ist ein Thema, welches sich nicht mit Innovation und Technologie wegdiskutieren lässt. Es ist
und bleibt Sensible.

Meiner Meinung nach haben zwar cloudbasierte Systeme absolut Zukunft, allerdings nicht das Cloudhosting für ERP Systeme durch Fremde. Wobei ERP in der privaten Cloud viel Charme hat. Es gilt es weiter  zu beobachten

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6 Responses to ERP in der Cloud? Sinnvoll oder nicht?

  1. Maximilian Gotthardt sagt:

    Schöner Bericht! Nur fällt auch hier wieder auf, dass dieses Verhalten „typisch Deutsch“ ist. Während europaweit viele Unternehmen es heutzutage als völlig normal betrachten, dass Ihre Daten „outgesourced“ und in die Hände Dritter gegeben werden (weil es einfach kosteneffizienter ist…), rennt Deutschland hinterher. Ob vielleicht die anderen Länder „alle doof“ und Deutschland hier für das Hosten Ihrer Daten bei Dritten „schlau“ agiert, lassen wir dahingestellt…

  2. Hallo Max,
    danke für Deinen Kommentar. Ich denke, dass wir Deutschen mit unserer sprichwörtlichen Vorsicht irgendetwas richtig machen zu scheinen. Ich drehe mal Deine Argumentionum: Nur weil die Nachbarn meinen, ein Hype/Trend wäre toll und kostengünstig, muss man es ja nicht selbst machen. Deutschland ist z.B. einigermaßen gut aus der Wirtschafts-/Bankenkrise herrausgekommen, weil fast alle unserer ziemlich konservativ eingestellten Volksbanken und Sparkassen nicht jeden Hype und jedes Risiko mitgegangen sind.

  3. Maximilian Gotthardt sagt:

    Hallo Dietmar!

    Bei den Banken gebe ich dir durchaus Recht. Da ist Deutschland in der Tat gut bei weg gekommen. Aber wenn wir schon das Thema der Daten in der Cloud verlassen, gilt es dann für die Politik auch? Geht es Deutschland „gut“, nur weil Frau Merkel „nichts macht“, alles auf sich zukommen lässt, die Wähler veräppelt (Beispiel: Kehrtwende der Atompolitik, Kehrtwende vom Mindestlohn…) und heute mal ein wenig konservativ, morgen ein wenig liberal und übermorgen ein wenig Sozial eingestellt ist?
    Anderes Beispiel: Schulbildung. Wieso sind die nordischen Länder (Schweden, Norwegen, Finnland) und auch viele EU-Länder führend in Sachen Bildung und besser als Deutschland? Weil Sie Veränderungen zulassen? Weil hier noch „richtige“ Politik durchgesetzt wird? Oder macht auch hier Deutschland Ihre Sache richtig, indem das Chaos mittlerweile Ihren Weg in sechs verschiedenen Schulen (Grundschule, Hauptschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule) findet?

    Aber zurück zum Thema: Daten in der Cloud. Was für eine Relevanz hat das externe Betreiben des Hostings der ERP-Daten im Gegensatz zum eigenen? Möchte man seine Daten Abends vorm Zu-Bett gehen streicheln können? Oder die Kosten des Hostings senken und sich endlich auf sein eigenes Kerngeschäft konzentrieren? Wieso deshalb nicht das „Kerngeschäft“ der anderen nutzen und das Hosting von Ihnen übernehmen lassen? Denkst du nicht, dass sich hier Microsoft, SAP, Apple, IBM, T-System, Amazon etc. auf dem richtigen Weg befinden? Nicht umsonst wird der Investitionsumfang für das Thema Cloud Computing auf ca. 50 Mrd. (!) für die nächsten 5 Jahre der 10 größten IT-Unternehmen geschätzt (Bericht zum Thema Cloud Computing in der iX). Zertifizierungen wie die ISO 27001 oder SaaS70 sollten doch zumindest die Gemüter erstmal Ruhig stellen. Auch gilt nach wie vor zum Thema Datenschutz das übergreifende EU-Recht, sogar in Deutschland; sollten die Daten nicht in Deutschland gespeichert sein. Aber was ist gefährlicher? Der unzufriedene Mitarbeiter mit dem USB Stick? Oder der Geschäftspartner, der sein Geld mit dem Betreiben der Infrastruktur für seine Kunden verdient und somit Arbeitsplätze schafft, verdient und hier vertraglich die Sicherheit zusagt? Vertrauen muss immer aufgebaut werden und dauerhaft vorhanden sein, egal, ob es sich um das Betreiben des Hostings oder andere Dinge handelt. Fakt ist, dass niemand 100% Datensicherheit bieten kann, sogar das Pentagon nicht..

    Viele Grüße

  4. Wow!
    Das ist mal ausgearbeitet ;-)
    Was macht die Axxerion Facility Services B.V. noch gleich?
    Max, Respekt! Ich kann Deiner Argumentation folgen und sie ist in weiten Teilen flüssig. Allerdings bleibe ich dabei, dass es sensible Bereiche gibt, die nicht in die Obhut von Fremden ghört.
    Und das ist meiner Meinung nach das sensible Geschäft mit all seinen Geheimnissen der deutschen KMU und des Mittelstandes. Und die arbeiten meinst nicht mit SAP.
    Eine kleine unschärfe gibt es auch in deiner Auflistung der Weltfirmen. In unserem besprochenen Kontext gehören SAP und Apple nicht in eine Reieh. Ich habe meine iPhonebilder auch in der Cloud und kein Problem damit, wenn ich allerdings ne richtig gute Idee habe, Verträge mit Partnern, die mit mir diese Idee angehen, Rechnungen dazu usw. … dann käme eine Cloud von Fremden nicht in Frage.
    Anders sieht es wie gesagt bei der private Cloud aus. Auch wir entwicklen unsere Software so, dass sie Cloudfähig ist. Das ist ganz klar die Technologie der Zukunft. Das ist unumstößlich.

  5. Maximilian Gotthardt sagt:

    Gut, auch hier gebe ich dir Recht, Dietmar. Apple ist vielleicht kein gutes Beispiel für Geschäftsdaten; iPhone und Co. gehören nun mal dazu. Aber SAP? Kläre mich auf! Wieso nicht? Weil Sie eigene Server betreiben und es somit als „Private Cloud“ gesehen wird?

    Was unsere Firma macht? Wir bieten eine vollständig webbasierte Workflow-Management-Software an, die unter anderem für das Verwalten von typischen Facility Management Aufgaben genutzt wird, aber auch ITIL- und Energiemanagement-Prozesse verarbeitet. Hierbei wird der jeweilige Status und deren Aufgabe immer im System (vom grafisch abgebildeten Gesamtprozess) angezeigt.
    Zu unseren Kunden gehören EU-weit kleine Betriebe (Dienstleister mit 5 Mitarbeitern) bis große Konzerne (35.000 Mitarbeiter) aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie Life-Science, Versicherungen, Banken, Dienstleister, Retailer, Food etc.. aber auch z.B. öffentliche Verwaltungen, wie Städte, Ämter, Stadtwerke etc. Alle nutzen unsere Software zum Verwalten von internen Prozessen, Verträgen, Katalogsverwaltung, Inventar, Gebäude/Räume/Flächen, Ausschreibungen, Dokumenten, Arbeitsaufträge, Energieerfassung, Helpdesk etc.

    Ich denke, dass ich hier im Thread auch weiterhin auf die deutsche Vorsicht stoßen werde… ;-) Deshalb lassen wir das.

    Viele Grüße!

    • Ich meinte die in Reihestellung von Apple und SAP wäre falsch. Apple Consumer, SAP Business … daher mein Einwand.

      Deutsche Vorsicht – gute Vorsicht ;-)
      Danke für die anregende Diskussion. Ich habe auf jeden Fall was gelernt!

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